Liebe Bloggerin, lieber Blogger, (liebe Bloggende?)
Vielleicht ist euch bereits aufgefallen, FrauenBlog hat bereits einige Beiträge zum Thema “Geschlechtergerecht Schreiben” veröffentlicht. Auf den ersten Blick könnte man meinen: wozu ist das nun wieder gut? Oder brauchen wir sowas wirklich?
Ja, wir brauchen das. Einige, vielleicht auch viele, bemühen sich bereits geschlechtergerecht zu schreiben; aber Hand aufs Herz, so wirklich einfach ist das nicht. Was wäre korrekt: “Liebe Mitarbeiterinnen und liebe Mitarbeieter” oder “liebe MitarbeiterInnen” oder vielleicht auch “liebe Mitarbeitende” ? Wofür würdet ihr euch denn entscheiden?
Hier zwei Ausschnitte aus einem Schreiben der Bundeskanzlerin Corina Casanova vom 28. September 2009:
“Eine sachgerechte, klare, bürgerfreundliche Sprache der Bundesbehörden – und geschlechtergerechte Formulierungen – verlangt das Sprachengesetz vom 5. Oktober 2007.” Und: “Ein Staat muss sich mit seinen Texten den Bürgerinnen und Bürgern verständlich machen, wenn seine Entscheidungen und sein Recht diskutiert und letztlich auch akzeptiert und umgesetzt werden sollen.”
Ein Text soll/muss für Bürgerinnen und Bürger, Frauen und Männer also gleich verständlich verfasst werden. Vor allen Dingen sollen sich sowohl die Frau wie auch der Mann gleichermassen angesprochen fühlen. Es ist bestimmt nicht einfach Dinge zu ändern die sich im Laufe von vielen Jahren in der Gesellschaft etabliert haben. Aber was bisher immer so war muss ja in Zukunft nicht zwingend so bleiben. Oder seht ihr das anders?





Ich finde liebe Mitarbeitende super. Unmöglich finde ich, wenn man ‘man’ durch ‘frau’ oder ‘man/frau’ ersetzt, denn dieses ‘man’ hat mit ‘Mann’ doch genauso wenig zu tun wie zum Beispiel ‘das’ mit ‘dass’. Oder sehe ich das falsch? Und wenn geschlechtergerecht schreiben so bemüht daherkommt dann wird auch das Lesen mühsam.
Interessantes Blog. Werde einige Zeit brauchen, mich hier umzusehen. ;)
Cristina, theoretisch haben Sie Recht. Die Crux ist aber, dass vor allem Männer das Wort “man” nicht von “Mann” unterscheiden können. Wenn Männer “man” lesen, denken sie “Mann”. Deshalb benutze ich statt “man” des öfteren gerne “frau”, auch wenn ich natürlich weiss, dass das sprachlich nicht korrekt ist. Aber es hilft, unmissverständlich klar zu machen, worum es geht…so, dass auch Männer keine Ausreden mehr haben können.
@Martha
Ich sehe das genauso! Und ich gehe sogar etwas weiter, den Unterschied zwischen “man” und “Mann” realisieren auch Frauen nicht. Denn der Ausdruck “man” hat sich so sehr in unseren Köpfen verankert und wir schreiben diesen mehr oder weniger automatisch. Ohne gross nachzudenken. Es ist nicht so einfach die “alten” Muster zu durchbrechen und noch weniger einfach ist es, anders zu schreiben als gewohnt. Ein Synonym für “man” zu finden welches eben nicht im Zusammenhang mit “Mann” steht ist echt eine Herausforderung.
@nova:
Wie schön, hier mal wieder – und auch noch so schnell – Resonanz zu bekommen. Wäre schön, wenn wir diesen Blog wieder aufmöbeln könnten. Ich hab hier früher sehr viel Spass gehabt.
@Martha
Liebe Martha, ich denke auch, dass das hier sehr viel Spass machen kann. Vor allem wenn mehrere mitmachen würden. Vielleicht hast Du ja Bloggfreundinnen von früher die auch wieder Schreiben würden?
Ich war eben grad am Schreiben als Dein Kommentar “kam”, deswegen ging’s wohl so schnell :-)) Ich freue mich jedenfalls.
Ich hab eine Idee: fran :)))
Neh- geht doch nicht – dann meinen vielleicht die Franzosen, nur sie seien gemeint ;). Oder die dummen Männer und Frauen denken, es seien nur Männer mit Namen Franz gemeint.
Im Ernst – ich glaub ich bleibe bei ‘man’ und schätze die Intelligenz der lieben Mitzeitgenoss/Innen einfach ein wenig höher ein.
Cristina, da wünsche ich Ihnen viel Geduld, gute Nerven und eine scharfe Beobachtungsgabe. Das funktioniert in 99% der Fälle nicht. Überhaupt rege ich mich auf, wie in dieser Hinsicht mit der Sprache “gefuhrwerkt” wird. Kürzlich habe ich mich grad super aufgeregt als im ZDF dauernd auf einen kommenden Film aufmerksam gemacht wurde mit der Schlagzeile “Gott schuf den Menschen und gab ihm eine Frau”!!! Das ist doch die Höhe! Als ob Frauen keine Menschen wären! Auch das Wort “Mensch” wird immer nur auf die Männer bezogen – von den Männern jedenfalls.
“Alle Menschen werden Brüder…” Wären bei dem Wort “Mensch” Frauen mitgemeint, könnten sie wohl kaum Brüder werden! Solche Sachen nerven mich unendlich.
Solche Gebilde kommen meistens als Übersetzungen aus Sprachen, in denen das Wort für “Mensch” gleichzeitig das Wort für “Mann” ist. Und Brüder auch das Wort für “Geschwister”. Komischerweise regt sich hier bei uns kein Widerstand bei den Frauen (ich spreche von ‘meinem’ Land: Portugal, aber ich meine auch Spanisch, Italienisch Französisch, wahrscheinlich alle lateinischen Sprachen). Ich habe noch nie erlebt, dass eine Portugiesin auf die Barrikaden ging, weil es sie störte, dass das Wort “Eltern” genauso gut “Väter” bedeuten kann.
Ich habe jetzt, als ich Ihren Beitrag las, Martha, mich auch an dieser Übersetzung “Gott schuf den Menschen und gab ihm eine Frau” sehr gestört, aber hier ist eindeutig die Übersetzung falsch, es müsste heissen, ‘Er schuf den Mann und gab ihm eine Frau’. Dafür müsste es beim anderen Satz, richtig übersetzt, heissen “Alle Menschen werden Geschwister”.
Meiner Meinung nach sind das Sprachphänomene, die man (frau ;) ) nicht einfach so abändern kann. Sonst kommen nächstens die Kinder und beschweren sich, dass sie sächlich sind. Und der Mond – in der Mystik das weibliche Prinzip, möchte lieber weiblich sein.
Ich glaube, ich muss unbedingt mal in meinem ‘das-pausenblog’ über das Thema schreiben ;).
Cristina, das Problem hier ist, dass die Sprache unser Denken beeinflusst. Die Sprache bestimmt die Bilder, die in unserem Gehirn ablaufen. Und unser Denken bestimmt unser Handeln.
Wenn Sie “Pilot” hören, was sehen Sie da? Eine Frau in Uniform im Cockpit eines Flugzeugs? Genauso wie bei für Männer positiven Dingen die Frau in der Sprache unsichtbar gemacht wird, passiert es auch umgekehrt. Bei für Männer negativen Aspekten wird – ruckzuck – der Mann unsichtbar gemacht, wenn z.B. von “jugendlichen Gewalttätern” gesprochen wird. Das sind im Normalfall junge Männer. Eine der absolut “schönsten” Formulierungen diesbezüglich ist die “häusliche” Gewalt. Welches Haus hat jemanden schon Gewalt angetan? Das ist MÄNNLICHE Gewalt, die man – und frau schon gar nicht – nicht benennen darf! Und was ist mit der “Finanzbranche”? Wer ist diese Finanzbranche? Wer sind die Kredithaie? Wer sind die Oligarchen? Wer sind die Bankenbosse? Hinter solchen verharmlosten Begriffen verstecken sich Männer! Oder “Bei einem Verkehrsunfall gab es 2 Tote” – statt “Ein Mann hat mit seinem Auto zwei Frauen zu Tode gefahren”. Etc., etc., etc.
Dieses Thema hatten wir hier zwar schon mal, aber das ist Jahre her. Um dem FB ein wenig neues Leben einzuhauchen, kaue ich halt mal im Moment alte Themen wieder durch, die sich aber durch den neuen Blogbeitrag hier zwangsläufig wieder ergeben haben.
Cristina, um noch einmal auf Ihren gestrigen Kommentar zurückzukommen: Sie bemerken zurecht, dass vor allem die lateinischen Sprachen äusserst patriarchal angelegt sind. Das kommt nicht von ungefähr! Das Patriarchat wurde zwar nicht von den Römern erfunden, aber zementiert und fand im “Pater Potestas” seinen Höhepunkt. Die deutsche Sprache hat zwar keinen lateinischen Ursprung, aber in den deutschsprachigen Ländern basieren das Recht und die Gesetze auf dem alten römischen Recht. Da schleppen wir noch so manche Frauen diskriminierenden Gesetze und Ansichten (Moral) mit uns herum. Da muss endlich mal Ordnung gemacht und ausgemistet werden!