In der heutigen Zeit greift die Angst immer mehr um sich. Angst vor Terroranschlägen oder Überfällen. Immer mehr Menschen gehen mit mulmigem Gefühl aus dem Haus, denn an der nächsten Strassenecke könnte ja das Unheil lauern. Noch nicht einmal in Bus und Bahnen ist man sich seines Lebens sicher. Warum schaut mich mein fremdländisch aussehender Sitznachbar so an? Kann ich mich an der Gruppe Jugendlicher, die vor dem Park steht, vorbeitrauen oder wechsle ich lieber die Strassenseite? Wir haben Angst, unsere Kinder zur Schule zu schicken, denn dort könnte schon ein Amokläufer bereitstehen. Man ruft nach mehr Sicherheitspersonal, fordert die Politiker auf, etwas gegen diese Angst zu tun. Diese beschliessen dann vorschnell Dinge wie nacktscanner, Überwachung aller Telefon- und Internetanschlüsse oder gar den Abschuss von Passagierflugzeugen.
Die Ursachen der grossen Unsicherheit sind nicht nur die schrecklichen Ereignisse vom 11. September 2001 oder die immer häufiger werdenden Überfälle in öffentlichen Verkehrsmitteln und an Bahnhöfen selbst. Sicherlich tragen sie dazu bei, dass wir uns nicht mehr sicher fühlen. Schuld sind aber auch die Medien, die bis aufs kleinste Detail über die Ereignisse berichten. Der Fall des Dominik S. der an einer S-Bahn-Station brutal zusammengeschlagen wurde, war wochenlang Thema in den Medien. Vor allem die privaten TV-Sender und eine Boulevardzeitung berichteten Tag für Tag über diesen Fall, und es kamen immer neue Fälle dazu. Man durfte und darf noch keine Nachrichtensendung einschalten, ohne dass man wieder Bilder von um sich schlagenden Jugendlichen zu sehen bekommt.
Auch die Amokläufe von Erfurt, Emsdetten und Winnenden waren monatelang Thema auf allen Kanälen und in allen Zeitungen. Man sah Tag für Tag, Stunde für Stunde weinende Eltern und schockierte Schüler. Da mag so mancher froh gewesen sein, wenn seine Kinder die Schule geschwänzt haben.
Wenn wir uns an den Terroranschlag vom 11. September 2001 erinnern, dann nicht nur an die Bilder der einstürzenden Türme des World Trade Centers, sondern auch daran, dass wir auf einmal Angst bekamen, wenn ein bärtiger Südländer den Bus oder die Bahn betrat. Menschen diskutierten an Stammtischen und in Büros darüber, ob man alle Muslime nicht einfach ausweisen sollte. Diese Ansichten waren Wasser auf die Mühlen einiger rechtsradikaler Parteien, die sich diesen Anschlag zunutze gemacht haben, um auf Stimmenfang zu gehen. Sogar Kriege wurden plötzlich gut geheissen, sogar von Parteien, die vorher absolute Pazifisten waren. Und alles nur, weil wir Angst hatten, dass bei uns dasselbe passieren könnte.
Die starke Medienpräsenz dieser Ereignisse rufen zudem Nachahmer auf den Plan. Durch die andauernde Berichterstattung bekommen gewaltbereite Jugendliche die Aufmerksamkeit, die sie zu Hause oder in der Schule vermissen. Ein U-Bahn-Schläger taucht plötzlich überall in den Medien auf. Er fühlt sich wie ein Held, den jetzt jeder kennt. Er glaubt seinen Eltern, Lehrern und Mitschülern beweisen zu können, was in ihm steckt, ohne dabei zu überlegen, was er in Wahrheit mit seinem Tun angerichtet hat.
Die gepuschte Angst trägt dazu bei, dass das Zusammenleben schwieriger wird als es ohnehin schon ist. Wenn wir uns irgendwann gar nicht mehr aus dem Haus trauen, unsere Türen verschliessen und in jedem Mitmenschen einen potentiellen Schurken sehen, dann haben die Terroristen, U-Bahn-Schläger und alle anderen düsteren Gestalten gewonnen. Und das dürfen wir nicht zulassen. Aus dem Grund sollte für die Medien gelten: Weniger ist mehr.






Nicht die Angst greift um sich. Die Angst wird bewusst geschürt. Verängstigte Menschen sind besser in Schach zu halten und trauen sich nicht, sich zu wehren. Wir haben Zukunftsängste, Verlassensängste, Existenzängste, Angst vor Einsamkeit, Angst, den Job zu verlieren, Angst vor der Natur, Angst vor Krankheit, Angst vor “den Leuten”, Angst vor Technik (z.B. Flugangst), etc. und alle möglichen sonstigen Psychosen.
Das Kind hat Angst vor dem Lehrer, der Lehrer hat Angst vor dem Rektor, der Rektor hat Angst vor der Schulbehörde, die Schulbehörde hat Angst vor der Kantonsregierung, die Kantonsregierung hat Angst vor der Bundesregierung, die Bundesregierung hat Angst vor den Medien, die (herkömmlichen) Medien haben Angst vor dem Internet, die Internetgemeinde hat Angst vor der Zensur durch die Politik, die Politiker haben Angst vor dem Volk – kurz: Angst regiert unsere Welt. Wir leben in ständiger Angst vor allem und jedem.
Persönlich arbeite ich seit Jahren daran, die mir mein Leben lang antrainierten Ängste abzubauen. Ich lasse mich von niemandes Drohgebärden mehr einschüchtern. Und ich wehre mich. Deshalb kann ich auch manchmal “frech” sein, denn wovor sollte ich Angst haben? Gegen physische Gewalt und Aggressivität habe ich mir 2 Hunde angeschafft, und Angst vor materiellem Verlust habe ich mir längst abgewöhnt. Es lebt sich bedeutend leichter so. Jemandem Angst einzujagen ist Erpressung: Bist Du brav, lieb und gehorsam, dann liebe ich Dich und gebe Dir, was Du willst. Wenn nicht, liebe ich Dich nicht, verlasse Dich und gebe Dir nichts. Auf solche Liebe kann ich gut verzichten. Sei das nun auf das menschliche Umfeld, Gesellschaft, Staat oder was auch immer bezogen. Ich lasse mich nicht mit “Liebesentzug” irgendwelcher Art manipulieren, denn ich habe gelernt, zunächst einmal mich selbst zu lieben und vor allem mir selbst treu zu bleiben. Das war (und ist noch immer) jahrelange harte Arbeit an und mit mir selbst. Der Lohn dafür ist Freiheit – und das ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl.