Der Entscheid ist gefallen: Das Zürcher Geschworenengericht sprach Bianca B. des mehrfachen Mordes schuldig. Das Gericht sah es als erwiesen, dass die Zwillingsmutter ihre Kinder an Weihnachten 2007 getötet hat. Es sprach eine lebenslange Freiheitsstrafe aus. Zudem wird Bianca B. eine Therapie absolvieren müssen. Das Gericht verurteilte sie weiter dazu, ihrem ehemaligen Mann eine Genugtuung von 150 000 Franken sowie Schadenersatz von rund 15 000 Franken zu bezahlen.
http://www.20min.ch/news/zuerich/story/Bianca-B–muss-lebenslang-in-Haft-21943967
Was haltet ihr von dem Fall und dem Urteil?
Ebenfalls möchte ich hier auch eine Frage von @Lovey aufnehmen:
Kann sich eine von euch daran erinnern, dass einer Mutter in einem solchen Fall schon Schmerzensgeld zugesprochen worden ist, wie in diesem Fall dem Vater? Ich jedenfalls nicht …






Nein, ich kann mich nicht erinnern, dass Gerichte jemals Frauen in solchen Fällen Schmerzensgeld zugesprochen haben. Aber die Gerichte in der Schweiz sind allgemein extrem patriarchal und setzen sich nur für Frauen ein, wenn sie dem Buchstaben des Gesetzes folgen MÜSSEN. Hab da so meine eigenen Erfahrungen. Auch wenn die mittlerweilen dreissig Jahre her sind.
Das Gesetz in der Schweiz – und vermutlich überall auf der Welt – basiert ausschliesslich auf Männer- und Machoclubs.
Elli, Du sprichst mir aus der Seele! Von dieser Männerjustiz kann ich aus eigener Erfahrung ein sehr langes Lied singen.
Der obige Fall ist ein Skandal, angesichts der Tatsache, dass das Urteil allein auf Indizien beruht. Unsere Gesetze sind keineswegs in Stein gemeisselt, sondern Gummiparagraphen, die einen grossen Interpretationsspielraum bieten. Solche Prozesse schreiben nicht in erster Linie Rechtsgeschichte, sondern Sitten- und Geschlechtergeschichte. Sie sind Schauprozesse, deren oberstes Ziel die Einschüchterung der Frauen ist. Sie sind auch die männliche Antwort auf die Emanzipationsbewegung der Frauen. Frauen werden grundsätzlich für die gleichen Vergehen um ein Vielfaches höher bestraft als Männer. Falls hier ein Mann Beispiele haben möchte, ich kann einige liefern!
Psychologisch einfühlsam sind Gerichte nur bei Tätern – nicht bei Täterinnen oder weiblichen Opfern. Bei Tätern wird fast alles entschuldigt. Immer haben sie ein Motiv für ihre Taten, das zu ihren Gunsten ausgelegt wird. Sei das Alkohol- oder Drogenabhängigkeit, schlechtes Elternhaus, Gewaltvideos, ja sogar die emanzipierte Ehefrau kann als schuldmindernd für den emanzipationsgeschädigten “armen Mann” gelten. Nicht zu vergessen, die gekränkte “Männerehre”. Sowas können Frauen nicht geltend machen – Frauen haben ja gar keine Ehre!
Schaut Euch an, was zur Zeit im Fall Kachelmann abgeht. “Nein, nein, – Vergewaltigung? Unser braver, lieber Kachelmann? Unmöglich!” Und schon wird die vergewaltigte, auf Schwerste misshandelte Frau als Stalkerin gehandelt. So schnell wird das Opfer zur Täterin umfunktioniert, und der liebe, brave Kachelmann ist das arme Schwein, das von dieser mendiengeilen Hexe verleumdet wird! Ich muss mich beherrschen, um hier nicht in die Vulgärsprache abzudriften.
Das kann auch ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen! Recht haben und Recht bekommen sind zwei paar Schuhe!
Was ich zu den Medienberichten noch anmerken möchte: immer wieder wird betont, wie TEILNAHMSLOS und REGUNGSLOS Bianca B. das Urteil entgegen genomme habe usw. Das gibt doch auch immer die Unterbotschaft mit: es ist ihr egal.
Derweil, weiss man denn was diese Frau intus hat?? Ich meine, kann ja auch sein, dass sie einfach ruhiggestellt wurde mit Medi …
Ich bin zu wenig über den Fall informiert, als das ich mir ein Urteil über Schuld oder Unschuld erlauben könnte. Das, was ich von den Zeitungen weis, ist mir zu wenig. Aber ich muss Aletheia leider beipflichten: Recht haben und Recht bekommen…
Ich habe auch sehr schlechte Erfahrungen mit Behörden gemacht. Ich habe diverse Beweise von unterschiedlichen Fachleuten vorgebracht, die alle auf eine Gefährdung meiner Kinder beim Kindsvater warnten, und die wurden alle ignoriert. Es wurde ein psychologisches Gutachten erstellt, basierend auf einer ca. 40 minütigen Spielzeit mit meinem Sohn, worauf meine zwei Kinder (damals 2,5 und 4 jährig) wieder unbeaufsichtigt zum Vater mussten. Dieses Gutachten wäre eigentlich nicht zulässig, da mindestens 3 Sitzungen notwendig wären, aber auf meinen Protest wurde nicht eingegangen. Das Recht des Vaters auf seine Kinder ist höher gewertet worden als das Kindswohl.
Als er ein paar Monate später die Kinder drei Tage lang nicht nach Hause brachte, reagierten die Behörden auch nicht. Die Polizei meinte nur, da er ja Schweizer sei, hätte ich nichts zu befürchten. Dass meine Tochter eindeutig von sexuellen Übergriffen sprach, im Schlaf weinte und schrie, interessierte auch niemanden. Meine Vorderung nach einem psychologischen Gutachten wurde abgelehnt, mit der Begründung, dass ich es sowieso nicht akzeptieren werde, sollte es nicht gegen den Kindsvater aussagen. Seit da habe ich die Kinder nicht mehr zu ihrem Vater gelassen. Als Belohnung habe ich nun zwischen 5 und 10 Anzeigen dafür erhalten, und weitere werden wahrscheinlich noch folgen.
Ist es den rechtens, dass niemand die Kinder schützt, und wenn man es als Mutter wagt es doch zu tun, wird man dafür vor Gericht gezerrt? Ich habe keine Ahnung, ob Bianca B. schuldig ist oder nicht, aber ich traue diesen “Experten” überhaupt nicht über den Weg. Was mich vor allem hellhörig werden lässt, ist die Tatsache, dass ziemlich schnell einseitig ermittelt wurde und somit der Fall als klar gegolten hat. Und was ist mit dem Grundsatz indubio pro reo? Es wurde ja nicht zweifelsfrei erwiesen, dass sie schuldig sei, also hat es noch Zweifel gegeben, womit sie eigentlich frei zu sprechen wäre.
Weiss jemand etwas über die Motive? Ich habe erst heute darüber gelesen und bisher noch nichts über ein mögliches Motiv gefunden.
Ich pflichte euch bei, das Recht nicht immer Recht ist. Es werden viele unschuldige verurteilt.
Aber ich finde es auch sehr blauäugig, wie ihr euch auf die Seite von Bianca B schlägt, nur weil sie eine Frau ist. Das sag ich jetzt so direkt, natürlich muss es nicht stimmen. Nicht “hässig” werden. :D
Es spricht schon sehr viel dafür, dass sie es war. Und der Vater war anfangs 3 Monate in U-Haft, es wurde sicher auch diese Möglichkeit geprüft! Aber die Indizien (Es sind nur Indizien, dass macht mich auch unsicher) sprachen so klar für die Mutter als Täterin. Anfangs ging man vielleicht sogar eher auf den Vater, aus Reflex, weil einem Mann so eine Tat eher zugetraut wird.
Was ich sagen will; ich verstehe eure Einwände weitgehend. Aber hier ist es mit grösster Wahrscheinlichkeit, sonst hätte man nicht so entscheiden, die Mutter gewesen.
Wieso disskutieren wir nicht eher darüber, wie eine Mutter ihren Kinder sowas antun kann? Unverständlich…
Aber es ist ja traurige Tatsache, dass Kindsmorde meist auf das Konto der Mutter gehen.
Frage an die Mütter hier. Was ging da in der Mutter vor? Kann man das irgendwie erklären?
“Es spricht schon sehr viel dafür, dass sie es war.”
Ich sage nicht, dass sie es nicht war, genauso wenig wie ich sage, dass sie es war. Aber findest Du, das reicht für “lebenslänglich”? Und was sagst Du zu der Sache mit dem Schmerzensgeld?
Noch was: Bei einem MANN würde es jedenfalls nicht für lebenslänglich reichen. Kannst Du Dich noch an den Zahnarzt erinnern, der seine Frau enthauptet und im Wald vergraben haben soll (hat?)? – Der war nach 3 oder 4 Jahren wieder frei!
Sorry, war ein Tierarzt, kein Zahnarzt.
Ich denke, wenn man eine Person für schuldig befindet, auch wenn es nur gestützt auf eindeutige Indizien ist, und 2 Kinder brutal ermordet wurden, ist lebenslänglich mehr als angemessen. Wo kommen wir sonst hin, wenn man hier z.B. “nur” 5 Jahre geben würde? Da müsste man auch alle andern Delikte anpassen. Und was ist schlimmer als Kindsmord? Nicht mal Kindsvergewaltigung scheint mir schlimmer, da die Kinder da ja noch leben. (Ok wie sie dann noch leben ist eine andere Frage!)
Was meinst du?
Zum Schmerzensgeld: Ich hab das, als ich es gehört habe, zuerst spontan als gerecht empfunden. Aber ich kenn mich nicht so aus, bei Präzedenzfällen z.B., ob Mann oder Frau, ob das üblich ist. keine Ahnung
Ist es denn üblich? Wenn es nicht immer angewendet wird, ist es wirklich eine Sauerei!
ob tierarzt oder zahnarzt martha, ist ja egal! der fall ist ja beängstigend! der richter muss ein bekiffter frauenhasser ala nitzsche gewesen sein :D
da seh ich schon, warum du kein/wenig vertrauen in unsere justiz hast…
zur Info, dass es nicht verwirrt, ich bin auch denali, hab im geschäft einen anderen namen gewählt und gespeichert (d.fernandez, für Daniel Fernandez, so heisse ich :D ) als ich nach längerer auszeit wieder was geschrieben habe. dann hab ich nicht mehr darauf geachtet, mit welchem namen ich jetzt poste, muss verwirrend sein. :D
Solche Richter sind leider nicht die Ausnahme sondern die Regel. Ich kämpfe selbst seit 6 Jahren in einem Zivilprozess gegen einen solch misogynen Richter.
@denali
wer lesen kann ist klar im Vorteil!
Ich habe auch NICHT gesagt Bianca B. ist schuldig oder unschuldig. Würde mir sowas an nicht anmassen!!
Warst DU denn schon mal vor Gericht???
Ja einmal vor 5 Jahren, Jugendrichter. Wieso?
Wieso??? – Offensichtlich bist Du da als männlicher Jugendlicher glimpflich davon gekommen. Sonst würdest Du nicht so …. fragen.
Ich war unschuldig und der Richter hat mich auch als so befunden. Von da her hab ich nicht unbedingt schlechte Erfahrungen, aber ich lese viel und laufe nicht blind durch die Welt, hab schon Fälle gesehen wo die Justiz wirklich versagt hat. Aber mehrheitlich kann man sich wohl doch darauf verlassen, dass richtig entschieden wird.
http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Zwillingsmoerderin-von-Horgen-akzeptiert-Schuldspruch-nicht/story/11111968