Vatersprache – Mutterland

Wie Status und Macht in der Sprache ausagiert werden.

Aletheia hat schon ein paar Mal erwähnt, wie männlich dominiert unsere Sprache ist. Frauen sind in der Regel höchstens “mitgemeint”, werden aber häufig nicht direkt angesprochen. Das trägt ganz wesentlich dazu bei, dass Frauen immer noch als zweitrangig hinter den Männern angesehen werden. Ich habe noch einen alten Schweizer Pass, worin steht “Der Inhaber dieses Passes ist Schweizer Bürger”. Zugegeben, das wurde inzwischen geändert und seit ein paar Jahren gibt es auch “Schweizer Bürgerinnen” in den Pässen – den Feministinnen sei Dank. “Macht doch nicht einen solchen Aufstand deswegen. Selbstverständlich seid Ihr Frauen doch mitgemeint” war der allgemeine männliche Tenor. Reicht “mitgemeint”? NEIN, es reicht nicht! Wäre in unseren Pässen gestanden “Die Inhaberin dieses Passes ist Schweizer Bürgerin” – und wir hätten den Männern gesagt “Aber, Ihr seid doch selbstverständlich mitgemeint” – was glaubt Ihr wohl, hätten uns die Männer erzählt?! Solche Pässe wären gar nicht erst ausgegeben sondern subito wieder eingestampft worden! – Auch wenn das Problem in diesem Fall gelöst worden ist, es gibt Tausende solcher Beispiele, die nach wie vor aktuell sind. Ich habe die Geschichte mit dem Pass benutzt, weil sich dabei garantiert alle direkt angesprochen fühlen, und Männlein wie Weiblein nachvollziehen kann, worum es geht.
Was sind Eure Meinungen? Was sind Eure Erfahrungen?

39 Kommentare

  1. Martha sagt:

    P.S.: “Vatersprache – Mutterland” ist der Titel eines sehr empfehlenswerten Buches von Senta Trömel-Plötz (ISBN 3-88104-219-9)

  2. Aletheia sagt:

    Interessantes Thema Martha :-)

    Ich nahm dieses anfangs auch nicht so “ernst” indem Sinne. Dann habe ich virtuell eine Frau von einem anderen Blog kennen gelernt (lesenswert: http://sprachburkafrei.wordpress.com/ ) und habe mich intensiver mit dem Thema Frauensprache – Männersprache auseinander gesetzt und ich muss sagen, es stimmt.

    Frauen werden verbal oftmals übergangen. Und wir sind numal keine BLOGGER sondern BLOGGERINNEN.

    Ich bin überzeugt, das wenn auch die Kinder von heute lernen Mann als Mann und Frau als Frau anzusprechen auch die Wahrnehmung für uns Frauen besser wird. Weil wir *eigenständig* angesprochen werden.

    Eine Geschichte aus meinem Leben.
    Sohn 1 fragt mich: “Ist ein Streber einer der immer lernt?”
    ich sag: “ja”
    Sohn 1 meint: “Mama, dann bist du ein Streber” …
    SOHN 2 … lacht sich schief und meint: “geht gar nicht. Mama ist eine Frau, also wenn schon wär sie eine Streberin”

    … es besteht also Hoffnung für die Zukunft :-)

    Je länger ich mich mit dem Thema auseinandersetze muss ich sagen:
    Sprachliche Gleichstellung ist sehr wichtig!

  3. Aletheia sagt:

    eigentlich sollte man mal alle Männer in weiblicher Form ansprechen.

    Ach, du bist Bäckerin? Verkäuferin? usw.

    … einfach ALLE Begriffe in weiblicher Form. Ich bin überzeugt, schon beim ersten Wort würde man doof angesehen … und vorallem, Männer wollen sich nicht in weiblicher Form angesprochen fühlen …

  4. Martha sagt:

    Gratulation zu Deinen Söhnen! Wären sie wohl diesbezüglich auch so aufgeweckt, wenn sie in einer Mutter-Vater-Kinder-Konstellation aufgewachsen wären, oder könnte das damit zu tun haben, dass sie bei einer allein erziehenden Mutter gross werden? Was denkst Du?

  5. Aletheia sagt:

    Das hat sicher in erster Linie mit mir selber zu tun. Ich erfülle als Mutter viele *Klischee* nicht. Ich quatsche ihnen nie die Ohren voll mit althergeholten Sprüchen wie

    - ein Mann weint nicht
    - ein Indianer kennt keine Schmerzen
    - was auf dem Teller ist muss gegessen werden ( was ich übrigens etwas vom Schlimmsten finde, denn genau mit solchem Mist verlernen sie schon als Kinder auf ihr natürliches Empfinden zu hören wann genug gegessen ist, und lernen zuviel zu essen und sind dann oftmals ihr lebenlang zu dick als Erwachsene)

    Bei mir lernen die Kinder Essen schöpfen, lieber wenig und dafür Nachschlag holen. Sie lernen sich auch um Hausarbeit zu kümmern, jede und jeder in meiner Familie hat seine Jöbli die erfüllt werden müssen. Wir kochen oft zusammen am Wochenende. Sie helfen mit zu waschen … usw. ach ja. Für diejenigen die sich über sowas aufregen … meine Kinder sind erst 9 und 10 Jahre, dennoch müssen sie mithelfen.

    Einer meiner Söhne steht auf häckeln. Der wollte das unbedingt lernen. Also lerne ich ihn, sage ihm nicht so komische Sachen wie Frauenarbeit usw. und der andere will nun unbedingt bügeln lernen. Ich unterstütze wowas immer. Egal, ob es sich um eine Tätigkeit im Haus handelt, oder um Sport, oder um Musik.

    Von der Schule bringen sie viele Klischee mit. Echt. Die kommen dann mit so Sachen wie: eine Frau ist für den Haushalt, Männer machen das und das nicht, Frauen sind so und so …
    Mir zeigt das, wie sehr die Gesellschaft noch hinterherhängt!

    Ob meine Söhne auch in einer Mutter-Vater-Kinder-Konstellation so wären? Nur wenn der Vater der Kinder auch so denken würde und Ihnen das gleiche mitgeben und vorallem VORLEBEN würde. Doch sowas ist in Realität selten! Denn das bräuchte in einer Ehe, resp. Elternbeziehung ZWEI gleichberechtigte Partner die ohne Machtkämpfe leben.

  6. Martha sagt:

    zu Nr. 3:
    Wie würden wohl Anwälte, Richter, Architekten, Bundespräsidenten, Bankenchefs, Ingenieure und sonstige Wirtschaftsbosse reagieren, würden wir sie in weiblicher Form ansprechen und dann erklären “Ihr seid selbstverständlich mitgemeint!”?

    Die wirkliche Problematik diesbezüglich sehe ich allerdings in den Medien. Meist sind es Männer, die in Zeitungen über Gewalttaten an Frauen berichten. Wie aber tun sie das, ohne als “Nestbeschmutzer” zu gelten?
    Die Lösung liegt in der Passiv-Konstruierung oder schlichten Nicht-Nennung der Täter. “Vergewaltigung in Stadt Zürich”, “Schutzbefohlene sexuell missbraucht”, “Opfer von häuslicher Gewalt”, etc., etc..
    Der Mann als Täter wird nicht genannt, sondern mittels säuberlicher Umschreibung und Umgehung der Tatsachen wird bewusst von der darin stattgefundenen männlichen Gewalt abgelenkt. Somit wird der Mann als Täter von den Lesern oder Zuschauern nicht als solcher wahrgenommen, sondern nur die Tat als solche. Das ist Verschleierungs- und männliche Interessenpolitik! Das Resultat ist dann, dass die “armen Männer” in der Öffentlichkeit auch noch verteidigt werden – und das auch von Frauen! – weil die Männer als Täter von der Öffentlichkeit nicht erkannt werden. Das hat System!!!

  7. Martha sagt:

    Was registriert unser Gehirn, wenn wir lesen: “Amoklauf in Schule”, “Mord an Prostituierter”, “Familiendrama in XY”? – Registrieren wir, dass hier Männer am Werk waren? Was sieht unser geistiges Auge? – Wir sehen die Opfer, aber nicht die Täter!

  8. Piratenweib sagt:

    @Aletheia: Ich finde die Idee, alle Männer mal in der weiblichen Form anzusprechen, sehr spannend. Auf die vielfältigen Reaktionen wäre ich wirklich gespannt. Mit Sicherheit würde es aber jeder/m auffallen. So wie die männliche Anrede (als vermeintliches genMask) nicht auffällt. Ich weigere mich ebenfalls – schon seit mehr als 25 Jahren – gegen das “Mitgemeintsein”. Schade nur, dass sich leider nur sehr wenig verändert hat, in der doch immerhin eine-Generation-langen-Zeit.

  9. Aletheia sagt:

    @Piratenweib
    Wir sollten eine Woche organisieren! und das voll verbreiten via Frauenblogs, Twitter, Facebook usw. und dann über die Reaktionen berichten! Oder wie wärs mit einer Facebook Gruppe?

    @piratenweib.de
    Gute Umfrage auf deinem Projekt, wäre es nicht auch interessant als mögliche Antwort noch zur Verfügung zu stellen:

    “ich spreche Frauen und Männer geschlechtergerecht an?” z. Bsp. Teilnehmerinnen und Teilnehmer …

    ich meine, was soll den eine Person ankreuzen wenn sie die sprachliche Gleichstellung verwendet?

    Bei der Art von Wortwahl TeilnehmerInnen ist schlussendlich die Frau doch auch mitgemeint und nicht direkt angesprochen. Natürlich ist es in Texten oftmals besser zu lesen. Dennoch, direkt angesprochen ist Teilnehmerinnen und Teilnehmer …

    @alle
    wenn euch das Thema interessiert geht doch auch mal das Sprachburkafreie Blog lesen! http://sprachburkafrei.wordpress.com/category/sprachburkafrei/ diese Autorin ist wirklich Klasse!

  10. Aletheia sagt:

    @Martha
    Du hast voll Recht! Gut dass du diese Tatsache ansprichst! Das läuft schon so lange in dieser Art und Weise in den Medien, das man sich schon fast daran gewohnt hat!

  11. Martha sagt:

    Ich stelle mir gedanklich mal Eure Aktionswoche vor:

    “Die Blondine dort drüben heisst Fritz.”
    “Die kath. Pfarrerin hat gestern eine gute Predigt gehalten.”
    “Die Bankerinnen erhalten dieses Jahr noch höhere Boni.”

    Aus “Vaterunser” würde “Mutterunser”, aus “Gott” automatisch “Göttin”, aus “Held” “Heldin”, und dann gäb’s da noch die gesamte Bibel und ähnliche Werke, die auf ihre geschlechtsneutrale Sprache untersucht werden müssten.

    Aus “der Gast” würde “die Gästin”, aus “der Verwaltungsrat” “die Verwaltungsrätinnen und -räte”, der “Gesamt-Bundesrat” würde “zur Gesamt-Bundesrätin” ebenso wie der “Europarat” zur “Europarätin”, gleiches gilt für “National- und Ständerätinnen und -räte”, …

    Denkt weiter und bringt Eure Beispiele – es macht Spass, sage ich Euch! Wenn jeweils beide Geschlechter erwähnt werden, stellt die weibliche Form immer VOR die männliche. Auch damit wird Status signalisiert.

  12. Piratenweib sagt:

    @Aletheia: Da siehste mal, wie “betriebsblind” man doch manchmal ist. Ich habe diese Version in meiner Mini-Umfrage ergänzt. :-)
    Also, eine Aktionswoche finde ich gut. Es wird Zeit, dass mal wieder über Sprache nachgedacht wird. Blogs und Twitter auf jeden Fall … Facebook … da bin ich nicht. Vielleicht sollten wir dann auf möglichst vielen Blogs den gleichen, verwirrenden Text veröffentlichen. Wo alle Männer mit weiblichen Bezeichnungen versehen werden, die Frauen aber mal mit männlichen … Könnte insbesondere da, wo es wirklich um geschlechtsspezifische Dinge geht, sehr spannend und lustig sein. Und dann den Text in der geMask-üblichen Version und in einer wirklich geschlechtergerechten. Was meinst du? Wollen wir?

  13. Aletheia sagt:

    @piratenweib
    JA! ich will! Smile.
    Lass uns das organisieren und dann online gehen damit. Du erreichst mich unter aletheia@swissonline.ch

    @martha
    machst mit so eine Woche zu planen?

  14. Martha sagt:

    Wenn Ihr meine Hilfe brauchen könnt, gerne.

    Das Thema ist nämlich keineswegs so lustig, wie es sich anhören mag. Schliesst mal Eure Augen und denkt dann das Wort “Vater” – ohne dabei unbedingt an Euren eigenen Vater zu denken. Nehmt nur die Energie und die Schwingungen des Wortes auf. Danach macht das Gleiche mit dem Wort “Mutter”. – Spürt Ihr, dass da jeweils andere Vorgänge im Gehirn ablaufen? – Genauso arbeitet unser Gehirn, wenn wir mit männlich dominierter, patriarchal strukturierter Sprache oder Schreibweise indoktriniert werden. Nur realisieren wir das nicht mehr, und doch prägt das in unserem Unterbewusstsein unsere Vorstellung und Ansicht der Dinge.

  15. Piratenweib sagt:

    @Aletheia: Mail ist unterwegs.
    @Martha: Super! Je mehr Frauen (und auch Männer!) mitmachen, um so größer wird der Effekt.

  16. d.fernandez sagt:

    Genus ist nicht gleich Sexus. So ist unsere Sprache aufgebaut. Wer sich daran stört, kann natürlich die Sprache für sich zurechtbiegen und anpassen. Sprachwissenschaftlich ist das aber nicht.

    Ich triff im täglichem Leben immer auf Auswülste wie “SpielerInnen” usw… Wieso schreibt man nicht einfach Spieler und Spielerinnen.

    Ich finde auch, dass eine Sprache alle ansprechen soll. Es gibt Frauen, die fühlen sich auch angesprochen von der herkömmlichen deutschen Sprache, die grosse Mehrheit wird dass wohl sein. Dann gibt es Frauen wie euch, die sich wirklich daran stören. Leider seid ihr zu wenige, also zuerst müsst ihr es in das Bewusstsein aller Frauen bringen, dann kann man daran gehen, zusammen mit echten Germanistikern und Sprachwissenschaftler, die Sprache zu aktualisieren.

  17. Martha sagt:

    Seltsam! – wo sind denn plötzlich die Männer geblieben?
    Es ist auf einmal so ruhig geworden.

  18. Martha sagt:

    Sorry Daniel – Dein Kommentar Nr. 16 war noch nicht veröffentlicht, als ich Nr. 17 schrieb.

    “Sprachwissenschaftlich ist das aber nicht.”

    Na klar, schliesslich sind es immer noch die Männer, die definieren, was “Wissenschaft” oder “Hokuspokus”, was “gut” oder “böse”, was “richtig” oder “falsch” ist – und das für die Frauen gleich mit!

    “…die grosse Mehrheit wird dass wohl sein.”

    “Die grosse Mehrheit” ist sich des Problems und dessen Ausmass leider nicht bewusst!

    “…mit echten Germanistikern und Sprachwissenschaftler…”

    Da müssten dann wohl endlich mal die GermanistikerINNEN und SprachwissenschaftlerINNEN ran!

  19. Martha sagt:

    wollte sagen “…ran gelassen werden”!

  20. Lovey sagt:

    Wisst ihr, was mich traurig macht? Diese Diskussion haben wir – genau so engagiert – 1983 schon geführt. Damals gab die Schweizer JournalistInnen Union eine Arbeitsheft heraus, unter dem Titel: Die Sprache ist kein Mann, Madame!, Luise F. Pusch hat im Audi Max referiert und generell weiblich formuliert – mit dem Zusatz: Männer sind selbstverständlich mitgemeint – worauf etliche dieser männlichen Zuhörerinnen unter lautem Gebrummel und Türeschletzen – und den Applaus der Frauen – gegangen sind. Wir haben wir uns damals eingesetzt – für geschlechtsneutrale Sprache in Reisekatalogen, in Briefen – und einige von uns tun das heute noch, aber es ist wirklich ein Kampf gegen Windmühlen. Das Problem ist nicht, dass zum Beispiel das Binnen-I nicht sprachwissenschaftlich ist – denn dann dürften Begriffe wie iPod im Deutschen auch nicht verwendet werden – und auch nicht, dass die Texte länger werden – denn dann dürften die meisten politischen Reden nicht mehr gehalten werden. Das Problem ist, dass wir Frauen, die wir in der Werbung oder im Journalismus arbeiten, auf Parteisekretariaten oder in NPO ((Bitte ergänzen)) viel zu selten so weit oben stehen in der Hierarchie, dass wir unseren Sprachductus durchsetzen können. Da nutzt es mir noch so viel, wenn ich konsequent geschlechtsneutral schreibe: Die Texte werden zusammengestrichen – und da fallen dann eben die Kundinnen und Leserinnen unter den Tisch. Aber wir sind ja mitgemeint, oder? – Nein! Selbst wenn wir mitgemeint sind, sind wir es nicht – das hat die Pusch seinerzeit an den 10 Geboten anschaulich aufgezeigt: Du sollst nicht töten – wunderbar, geschlechtsneutral, perfekt. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben – da happert’s schon wieder ein bisschen. Aber dann: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib! – warum sollte ich? Also richten sich die 10 Gebote an Männer und Lesben? – Damit schliesst sich der Kreis für mich: Heute wie damals werden Frauen, die sich für geschlechtsneutrale Sprache einsetzen, als Feministinnen oder Lesben beschimpft, Männerhasserinnen, die am liebsten ohne die Kerle leben, sprechen und schreiben würden. Dass die Jungs die Sprache – und einen grossen Teil des Lebens – ohne uns gestalten, ist aber kein Problem  …

  21. Martha sagt:

    Danke, Lovey!

    Und da reden Männer von “Steinzeitfeminismus”! “Steinzeitmachoismus” wäre da schon treffender! “Nicht aufgeben – eisern weiterkämpfen” kann die Devise also nur heissen.

    “Feministin” oder”Lesbe” ist für mich schon lange kein Schimpfwort mehr – auch mit “Emanze” kann ich mich arrangieren. Schlimmer wäre es für mich, in das Heer der Gleichgültigen oder sogar “patriarchal sozialisierten” Frauen eingereiht zu werden. Soweit werde ich es nie kommen lassen – selbst wenn ich 100 Jahre alt werden sollte.

    “Männerhasserinnen”? – Wen wundert’s? – die Männer lassen uns bald keine andere Wahl mehr, wie Deine Schilderungen deutlich zeigen. Und dann beklagen sie sich auch noch!

  22. Piratenweib sagt:

    @Lovey: Stark! Genau das “macht mich traurig” habe ich vor einigen Tagen auch in einem Beitrag geschrieben. http://www.piratenweib.de/?p=996

    Würdest du auch mitmachen, bei der oben angeregten Sprach-Aktions-Woche? Das wäre klasse.

    Habe mir gerade mal deine Website angeschaut – besonders die Sprachspielereien haben mir gut gefallen. Ich mag solche sprachlichen Feinheiten, du offenbar auch :-)

    @d.fernandez: Dazu erspare ich mir und dir lieber jeglichen Kommentar. Mit solchen Aussagen habe ich schon genug an anderen Orten zu tun …

  23. d.fernandez sagt:

    Was war an meinem Beitrag jetzt so schlimm? Man kann auch überempfdinlich sein. Ich hab nur gesagt, dass man eine Änderung der Sprache richtig machen soll, also Sprachwissenschaftlich, überlegt und von allen getragen, sonst wird unsere Sprache noch komplizierter und undurchsichtiger. Die Rechtschreibereformen z.B. haben unsere Sprache meiner Meinung nach schon verschlimmbessert.

    Ich hab kein grosses Interesse an einer Änderung, dass ist auch mein Recht und ihr müsst mich desswegen nicht anfeinden. Aber ich hätte auch nichts dagegen, wenn die Frauen aus einer Kehle fordern würden, die Sprache weiblicher zu gestalten. Dann machen wir das. Sagen wirs so; mir ist es egal. Ich find anere Ort viel wichtiger, wo wir noch um Gleichberechtigung kämpfen müssen.

    GermanistikerInnen, genau diese Schreibweise ist für den A….
    Germanistikerinnen und Germanistiker, so siehts schon besser aus. :D

    Aber wie schon gesagt, viele Frauen, vielleicht ca. 95%, hat kein Problem mit der deutschen Sprache. Für die ist das kein Feld auf dem sie sich diskriminiert fühlen. Desswegen sind sie aber nicht weniger emanzipiert oder weniger Frau oder Kollaboratörinnen mit dem “Feind”. Nur das es gesagt ist.

    @Martha, du findest es also legitim, Männer zu hassen?

  24. Martha sagt:

    Zu der direkten Frage an mich:

    Ich finde das genauso legitim wie die Tatsache, dass Männer für gleiche Leistung noch immer mind. 20% mehr verdienen!

    Zum Rest:

    Dass Du als Mann “kein grosses Interesse an einer Änderung” hast, wundert mich nicht. Aber dann spiel hier auch nicht den Frauenversteher. Natürlich gibt es noch VIELE Fronten, die Klärungs- und Gleichstellungsbedarf aufweisen. Wenn sich aber durch eine geschlechtsneutrale Sprache endlich in den Köpfen der Männer etwas ändern könnte, wären diese einfacher durchzusetzen.

  25. Martha sagt:

    P.S.: Wenn ein Hund ein Kampfhund ist, wer ist dann schuld daran? Der Hund oder derjenige, der diesen Hund als Kampfhund abgerichtet hat?

  26. Martha sagt:

    “Jeder Genosse werde wohl selber wissen, wie kaputt Mann wirklich ist, wie kaputt seine Sexualität, seine Fähigkeit, gewaltfreie Beziehungen einzugehen. Denn die Frauen haben eine ziemlich radikale Konsequenz aus ihrer Kritik an uns gezogen (und ziehen sie noch): Sie lösen sich von uns, trennen sich von uns, wollen mit uns nichts mehr zu tun haben.”

    Joshka Fischer, 1977

    Lang, lang ist’s her – und was hat sich geändert? Männer sind offensichtlich lernresistent!

  27. Lovey sagt:

    herrlich! Man(n) kann auch überempfindlich sein – das sagt ausgerechnet einer, der sich an einem harmlosen Binnen-I stört … Im Übrigen: Die wenigsten sprachlichen Entwicklungen erfolgen sprachwissenschaftlich – sie werden einfach oft genug gebraucht, bis der Duden irgendwann mal schreibt: schweizerisch auch … oder umgangsprachlich auch …und irgendwann haben sie sich dann durchgesetzt. Wenn die Sprache sich “richtig” entwickeln würde, dann wäre eine männliche Hebamme einfach mitgemeint (so wie meine Tochter, die Koch sein muss, weil man unter Köchin eine ungelernte Kraft versteht), oder vielleicht ein Hebammer – ist er aber nicht, sondern Entbindungspfleger … Sprache ist kreativ – also nutzen wir das aus!

  28. Piratenweib sagt:

    Manchmal wäre ich schon ein bisschen zufriedener, wenn von denen, die nach Germanist/innen und Sprachwissenschaftler/innen rufen, wenigstens die einfachsten Rechtschreibregeln beherrscht würden.

  29. Martha sagt:

    Zum Hebammer würde ganz gut der Krankenbruder passen.

  30. Aletheia sagt:

    „Männer werden immer richtig eingeordnet, Frauen fast nie, denn in unserer Sprache gilt die Regel: 99 Sängerinnen und 1 Sänger sind zusammen 100 Sänger.

    Futsch sind die 99 Frauen, nicht mehr auffindbar, verschwunden in der Männerschublade. Die Metapher bewirkt, daß in unseren Köpfen nur Manns-Bilder auftauchen, wenn von „Arbeitern“, „Dichtern“, „Studenten“, „Rentnern“ oder „Ärzten“ die Rede ist, auch wenn jene „Rentner“ oder „Ärzte“ in Wirklichkeit überwiegendÄrztinnen oder Rentnerinnen waren.“*

    Zitat von Luise Pusch

  31. d.fernandez sagt:

    @ Lovey

    Zum Binnen-I, ja ich find es hässlich. Ich hab wirklich lieber 2 Wörter für das Weibliche und das Männliche. Ist ein bisschen länger, aber was solls, mann muss ja nicht alles abkürzen. :D

    Überempfindlich hab ich in einem ganz anderem Kontext gebraucht, bezogen auf Piratenweib, weil sie sich zu gut war, mit mir zu diskutieren. Also was hat das eine mit dem anderen zu tun?

    Wie du gesagt hast, die Sprache ist sowieso sehr dynamisch, wenn ihr es schafft ein wenig mehr Leute für eure Sache zu begeistern, wird eure weibliche Schreibweise auch Einzug finden in unsere Sprache.

    Ich sag es einfach noch ein letztes Mal, ja, Sprachwissenschaftlich, auch wenn ich sicher kein Genie darin bin, muss eine Änderung schon abgestüzt sein. Damit meine ich einfach, -> möglichst einheitlich. Nicht das jeder am Schluss anders schreibt. Und da wir Menschen die Wissenschaft machen, ist es ja nicht weit her. Ich wünsche euch viel Erfolg. (Und das ist mein Ernst, denkt nicht immer so schlecht über mich :D )

  32. Lovey sagt:

    Aus aktuellem Anlass wieder mal sauer aufgestossen: Bianca ist eine Kindsmörderin oder eine Zweifachmörderin (siehe Presse von heute) – wenn ein Mann sein Kind / seine Kinder umbringt ist es ein Familiendrama – oder, wenn er sich danach auch umbringt, ein erweiterter Suizid (!). Sprachwissenschaftlich ist wohl beides korrekt – aber KORREKT ist hier gar nichts! Und wenn wir schon dabei sind: Kann sich eine von euch daran erinnern, dass einer Mutter in einem solchen Fall schon Schmerzensgeld zugesprochen worden ist, wie in diesem Fall dem Vater? Ich jedenfalls nicht …

  33. Aletheia sagt:

    @Lovey
    Nein. Kann ich mich auch nicht erinnern! Werde zu deinem Kommentar betreffend SCHMERZENSGELD und diesem Fall, einen seperaten Beitrag eröffnen, damit wir uns hier nicht im Thema verzetteln.
    http://www.frauenblog.ch/2010/03/27/bianca-b/

    Was ich an dieser Stelle plazieren will: in http://www.20min.ch ist nachzulesen:

    38 Zeugen und Experten sagten aus

    In der konkreten Aussage dieser Wortwahl bedeutet das:
    38 Männer haben eine Frau bewertet.

  34. Aletheia sagt:

    Aus der Aktionswoche wurde mal zum Anfang ein ganzes Projekt!

    Ab sofort ist http://www.wirfrauen.org online.

    Das Blog zum Thema sprachliche Gleichstellung.

  35. Martha sagt:

    Schaut mal nach unter
    http://www.blick.ch/news/schweiz/weder-vater-noch-mutter-beamte-sollen-kuenftig-das-elter-sagen-148276

    Da tut sich was! Helft mit, damit dieser Vorstoss von den Männern nicht gleich wieder abgewürgt wird. Schreibt Kommentare, schreibt Kommentare zu diesem Artikel!!!

  36. Martha sagt:

    Zu obigem Artikel habe ich heute morgen – noch bevor irgendein Kommentar dazu veröffentlicht worden war – einen Beitrag geschrieben und diesen Vorstoss gelobt. Inzwischen sind 28 Seiten (!) diverser Kommentare dazu zu sehen. Alle ablehnend! Mein positiver und in keiner Weise aggressiv gehaltener Kommentar jedoch wurde nicht veröffentlicht!!! Das nennt sich Zensur und Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die Medien! Ist das die viel gepriesene demokratische Schweiz?

  37. Martha sagt:

    Geschlechtsneutrale Sprache wird auch im Tages-Anzeiger thematisiert.
    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Also-ich-waere-fuer-Strassenseitewechselzone/story/10586983

    Die Kommentare kann frau nur kommentieren mit “Aufklärung tut Not!”

  38. Martha sagt:

    Was zu diesem Thema in den Medien abgeht, ist äusserst bezeichnend. Weshalb werden hier solche Emotionen freigelegt, wenn das Ganze doch nur lächerlich sein soll? Da bräuchte sich doch niemand dermassen aufzuregen. Die Reaktionen zeigen überdeutlich, wie sensibel dieses Thema ist und wie allergisch vor allem die Männerwelt und die von dieser indoktrinierten Frauen reagieren. Daraus ersehen wir, wie die Gleichstellung der Frau auch nur bei der winzigsten Regung abgewürgt und beschossen wird. Frauen ins Lächerliche zu ziehen hat (leider) schon immer funktioniert und ist eine altbewährte schweizerische Methode. Land der Hinterwäldler!

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