Familie heute

Was bedeutet Familie heute überhaupt noch? Wie definiert man diesen Begriff, Familie? Ist man erst eine Familie, wenn man mindestens aus Mutter, Vater, Kind besteht? Oder, ist Mutter und Kinder auch schon eine Familie? Ist ein unverheiratetes Päarchen bereits berechtigt sich als Familie zu bezeichnen?

Nun klar ist, dass mit der Familie eine Verbindung besteht, die auch entweder verwandschaftlich oder durch Liebe geprägt ist. Man hält zusammen. Man ist ein Bund, nicht unbedingt zwangsläufig ein Ehebund, sondern auch eine Gemeinschaft, ein Team. Gerade im globalen rasanten Zeitalter der Medien und Kommunikation ist es wichtig einen Ruhepol zu haben. Dieser Ruhepol kann sich dann zuhause bei der Familie befinden, die einem Rückhalt und Geborgenheit bietet. Man unterstützt sich gegenseitig. Wenigstens im besten Falle …

8 Kommentare

  1. Martha sagt:

    Wenn ich proklamiere “Ich bin gegen Familie” schlägt mir jeweils blankes Entsetzen und höhnische Verachtung entgegen. Vor allem hier in Griechenland, aber auch in der Schweiz. Am liebsten würde man gleich die Polizei rufen und mich verhaften lassen, denn damit rüttle ich an einer der Grundsäulen des Patriarchats. Dessen sind sich zwar die Wenigsten bewusst, aber diese unhinterfragten Reaktionen zeigen deutlich, wie gehirngewaschen unsere Gesellschaft ist. Mord und Totschlag, Vergewaltigung und Prügeleien, Missbrauch von Kindern, Lug und Betrug – das alles findet wo statt? – in den Familien! Nicht nur, aber in einem sehr erheblichen Teil.

  2. Martha sagt:

    Ich wollte gerade das Wort “Teil” durch “Ausmass” ersetzen, da hat sich mal wieder mein Kommentar verselbständigt.

    Hier geht’s weiter:

    Das Wort “Familie” entstammt dem lateinischen “familia”. Damit war eine Hausgemeinschaft gemeint und bezeichnete auch den ganzen Besitz eines Mannes, des “pater familias”. Dieser Titel beinhaltete Macht, Autorität und das Recht auf Gewaltausübung. (“Pater” heisst übrigens nicht “Vater”. “Vater” hiess “genitor” – noch heute heisst “Eltern” auf italienisch “genitori”.)

    Die “Familie” war und ist bis heute ein politisches Konstrukt. In der Familie wird der Grundstein für das patriarchale Bewusstsein der Menschen gelegt. Hier lernen wir, was Autorität, Macht, Herrschaft und Gewalt ist, hier lernen wir Gehorsam, Pflichten, Unterwerfung, und werden auf das Leben im Patriarchat vorbereitet. Die Schule ist dann der nächste Schritt zum Einbinden der Menschen ins Patriarchat. Die Schule dient nämlich nicht nur der Wissensvermittlung, sondern soll auch die Menschen “formen” – im patriarchalen Sinn, versteht sich! Deshalb ist es für die Meisten von uns fast unmöglich, ausserhalb patriarchaler Normen zu denken und sich von patriarchalen Strukturen zu befreien, weil Ihnen die patriarchale Gesinnung schon vom ersten Tag ihres Lebens an in der Familie und der Schule eingetrichtert wurde. Das nennt man “Prägung”. (Prägung findet z.B. auch bei Hunden statt, die als Welpen abgerichtet werden als Blindenhunde, Suchhunde etc.)

    Wie wir sehen, ist die Familie von grösster politischer Bedeutung um das patriarchale System aufrecht zu erhalten.

    Weshalb scheitern denn so viele Ehen, warum gehen die Familien kaputt? – Weil sie ein machtpolitisches Konstrukt sind! Sie sind (patriarchale) KULTUR und nicht NATUR der Menschen.

    Bevor ich hier mit meinem Monolog fortfahre, warte ich erst mal auf Eure Reaktionen.

  3. Martha sagt:

    Wenn ich meinen gestrigen Beitrag nochmals durchlese fällt mir auf, dass ich zwei wichtige Elemente vergessen habe, nämlich: Hierarchie und Zwangsmoral. Das sind ebenfalls wichtige Bausteine des Patriarchats.

  4. denali sagt:

    Was wäre denn dein Vorschlag als Ersatz für das Konstrukt Familie? Es braucht ja ein Nest für die Kinder. Du hattest nie welche also kannst du es so eifnach sagen, leider funktioniert aber die Aufzucht der Kleinen nur mit Beständigkeit, Sicherheit, Liebe usw. alles was ihm eine Mutter und ein Vater und die Grosseltern geben.

    Wie also soll das neue Nest aufgebaut sein?

  5. Martha sagt:

    Das ist richtig: ich hatte nie Kinder. “Einfach” sage ich das gar nicht, denn ich habe mir das reiflich überlegt und hätte mir schon vorstellen können, Kinder zu haben. Aber nicht in einem dermassen verlogenen gesellschaftlichen Umfeld, in dem wir leben. “Familie” – wie wir sie definieren – war für mich keine Option. Allein erziehende Mutter? In der Zeit, als ich darüber nachdachte, waren die gesellschaftlichen und finanziellen Bedingungen für Frauen, die so etwas wagten, noch VIEL schlechter als heute, aber auch unter den heutigen Voraussetzungen würde ich mich darauf nicht einlassen.

    Wie Du richtig schreibst “…funktioniert die Aufzucht der Kleinen nur mit Beständigkeit, Sicherheit, Liebe usw….”. Familie = Beständigkeit? Familie = Sicherheit? Familie = Liebe? Ich verzichte darauf, die zahllosen Beispiele anzuführen, in denen “Familie” genau DAS nicht bietet. Wie immer und überall, bestätigt auch hier nur die Ausnahme diese Regel. Deine bisherigen Statements zeigen deutlich, dass Du wohl das goldene Los gezogen hast und in eine solche Ausnahme hineingeboren wurdest. Du kannst aber nicht immer von Dir und Deiner Situation auf andere schliessen. Die Realität sieht in mindestens (!) 80% der Fälle anders aus.

    Das traditionelle Mutter-Vater-Kind Familienmodell wurde uns durch Religion aufgezwungen. Du erinnerst Dich? – Bethlehem – Maria-Josef-Kind? Um das patriarchale Gesellschaftsmodell zu etablieren, musste es durch eine ebenfalls patriarchale Religion (Vatergott!) gestützt werden. Nur so konnte der “pater familias” “die Seinen” als seinen Besitz und sein Eigentum deklarieren.

    Du hast Dich ja offensichtlich mit matriarchal lebenden Völkern beschäftigt. Dann weisst Du auch, dass in solchen die Kinder bei den Müttern, deren Geschwistern und Grossmüttern mütterlicherseits aufwachsen. “Ehe” – so wie wir sie verstehen – gibt es da nicht. Höchstens in Form einer “Besuchsehe”, aber der Vater der Kinder hat weiterhin bei der Sippe seiner eigenen Mutter gelebt. Die eigentliche “Vaterrolle” bzw. der männliche Part beim Aufwachsen der Kinder (ich spreche hier bewusst nicht von “Erziehung”) wurde meist vom Bruder (den Brüdern) der Mutter übernommen. SO war Beständigkeit und Sicherheit für die Kinder gewährleistet. Nicht wie bei uns, wo sich der Vater in den meisten Fällen durch Scheidung und ähnliches durch die Hintertüre vor seiner Verantwortung davon schleicht oder sowieso nicht vorhanden ist, weil er seine Zeit vorzugsweise im Büro oder sonstwo verbringt.

    Es gäbe noch Vieles dazu zu sagen. Aber ich kann hier ja kein Buch schreiben. Wer sich wirklich dafür interessiert, kann sich ja ein entsprechendes Buch besorgen. Auch sage ich nicht, dass diese Version die allein selig machende ist. Aber sie zeigt, dass es durchaus andere Modelle gibt, über die nachzudenken sich vielleicht lohnen könnte.

  6. Aletheia sagt:

    Ich finde @Martha hat das gut auf den Punkt gebracht! ich lebe schon seit meine Kinder klein waren alleine mit Ihnen. Mir fehlt der “Mann im Haus” absolut nicht. Meine Kinder hatten da eine zeitlang mehr Mühe. Und zwar genau seit dem Zeitpunkt als sie in die Schule gingen und dort der staatlich verordneten Standart-Gehirnwäsche unterzogen werden. In der Schule wird immer das Bild der *intakten Familie*; Konstellation Vater-Mutter-Kinder vermittelt. Derweil bald mehr Kinder von Alleinerziehenden in die Klasse gehen als Kinder die gemeinsam mit beiden Elternteilen leben.

    Der Begriff Familie gibt einem immer so die Affirmation: Liebe, Halt, Heile Welt. (So werden wir ja auch erzogen und geprägt) Doch die Realität sieht in vielen Fällen anders aus. Oftmals ist die sogenannte Familie nur eine Lebenslüge. Oder sie *funktioniert* nur weil sich einige Familienmitglieder unterwerfen. Viele Kinder haben nach Aussen eine sogenannte intakte Familie, doch hinter der Fassade leiden sie, oder sind einsam. Auch in der Gemeinschaft der Familie.

    Alleinerziehend ist nicht wirklich ideal. Zum Teil echt hart. Doch gleichzeitig hat es auch viele Vorteile. Mich entscheiden zu müssen, ob gemeinsam als Eltern Kinder aufziehen oder alleinerziehend möchte ich auch heute nicht müssen. Mein Leben hat sich so ergeben. Als ich heiratete, glaubte ich an die Familie in dem Sinne, das auch wenn Vater und Mutter mal auf der Paarebene auseinander gehen würden, es möglich ist, die Elternebene wahrzunehmen. Ich kenne auch Ex-Paare die das prima hinbekommen. In meiner Familie war das absolut unmöglich einen Weg zu finden. Weil es immer zwei braucht die gewillt sind mitzumachen. Also bin ich alleinerziehend geworden. Denn ich bin absolut nicht bereit in meinem Leben nur zu funktionieren damit ich quasi eine vollständige Familie vorweisen kann. Da ziehe ich es vor alleinerziehend zu sein und frei. So werden einem auch viele sinnlose Diskussionen erspart ;-) und man bleibt von gewissen Klischees verschont.

  7. Aletheia sagt:

    @martha

    Nicht wie bei uns, wo sich der Vater in den meisten Fällen durch Scheidung und ähnliches durch die Hintertüre vor seiner Verantwortung davon schleicht oder sowieso nicht vorhanden ist, weil er seine Zeit vorzugsweise im Büro oder sonstwo verbringt.

    Hierzu kann man auch noch anmerken: sich auch finanziell staatlich unterstützt aus der Verantwortung zieht. Denn wenn einer extra unter der Brücke schlafen geht, damit er keine Alimente bezahlen muss, kann die Mutter auch grad da noch die ganze Last tragen. ich nenne das staatlich unterstützt, weil Alimenten nach Einkommen gehen. Es sollte einen fixen Betrag geben, die Erzeuger für ihre Kinder zahlen müssen als Alimente. Dann würden solche Leute WENIGSTENS in diesem Belang zur Verantwortung gezogen! Man stelle sich das mal vor, wenn gleichviele Mütter wie Väter ihre Verantwortung den Kindern gegenüber nicht wahrnehmen würden … ich auf jeden Fall, kenne keine einzige Mutter die ihre Kinder verlassen hat in punkto menschliche und finanzielle Verantwortung, oder versucht alles ihr mögliche für ihre Kinder zu tun. Väter dagegen schon … gibts einige.

  8. Martha sagt:

    Nicht nur einige – heute ist das wohl schon die Mehrzahl. Es ist also höchste Zeit, über neue Gesellschaftsformen nachzudenken.

    Die wenigsten Menschen sind sich bewusst, wie wir die Buben geradezu zu verantwortungslosen Männern und Vätern heranzüchten.

    Während die Teenager-Tochter spätestens um Mitternacht zuhause sein muss, dürfen Teenager-Söhne die ganze Nacht weg bleiben. Man will ja nicht das Risiko eingehen, dass die Teenager-Tochter schwanger nach Hause kommen könnte. Wenn aber der Teenager-Sohn sämtliche Mädchen in der Nachbarschaft schwängern sollte, ist das offensichtlich kein Risiko, denn die Verantwortung für eine Schwangerschaft wird schon im frühesten Alter den Töchtern – also den Frauen – zugeschoben. Auch wenn wir so tun, als ob das heute anders wäre, daran hat sich gar nichts geändert! Wen wundert’s also, wenn diese Jungs dann später als Väter ihre Verantwortung nicht wahrhaben wollen? Wir erziehen sie ja geradezu in diesem Sinne – und es sind meist nicht die Mütter, sondern die Väter, die diese Spielregeln verordnen!

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