Doppelzüngigkeit und Doppelmoral
Am vergangenen Mittwoch habe ich auf 3sat eine Talkshow verfolgt, in der u.a Christoph Mörgeli von der SVP zu Gast war. Das Thema waren die Deutschen in der Schweiz. Herr Mörgeli hat sich bitter beklagt, dass die Schweizer unter den hier lebenden Deutschen leiden, und die Deutschen den Schweizern die Stellen wegschnappen würden. Er brachte ein Beispiel von der Universität Zürich und meinte, dass dort bei den Entscheidungsträgern bereits mehr Deutsche als Schweizer sitzen würden. Die Folge davon sei, dass Deutsche dann eben auch Deutsche bevorzugen würden, wenn es z.B. um Professuren geht. Aus der Diskussion ging dann hervor, dass sich Herr Mörgeli persönlich betroffen fühlte, weil er sich für eine Stelle an der Uni beworben hatte, die schlussendlich mit einem deutschen Staatsbürger besetzt wurde.
In einem Mail an Herrn Mörgeli habe ich ihn darauf aufmerksam gemacht, dass das von ihm angesprochene Problem – seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten – ein ganz zentrales Anliegen der Frauen ist. An sämtlichen Positionen, die Entscheidungs- und Definitionsmacht beinhalten, sitzen bei uns mehrheitlich Männer. Und diese Männer bei uns stellen genau so sicher, dass wichtige Positionen in Wirtschaft, Kirche, Politik, Justiz etc. ebenfalls wieder durch Männer besetzt werden. Es wäre dabei auch interessant zu erfahren, wie hoch der Prozentsatz von ProfessorINNEN an den schweizerischen Universitäten ist!
Die von Herrn Mörgeli beklagte “Ungerechtigkeit” scheint jeglicher Brisanz oder Rechtsauffassung zu entbehren und nicht mehr anwendbar zu sein, sobald es sich um Frauen handelt.
Ich habe Herrn Mörgeli aufgefordert, sich ab sofort für eine Quotenregelung zugunsten der Frauen einzusetzen, wenn er weiter glaubwürdig dastehen möchte, und habe ihn um eine Stellungnahme gebeten. Er hat es aber vorgezogen, auf diese Problematik nicht einzugehen. Bis heute habe ich nichts von Herrn Mörgeli gehört. Es geht ja wieder mal “nur” um Frauen. Deren Probleme kann man getrost unter den Teppich kehren. Schliesslich haben DIE MÄNNER dringendere Probleme zu lösen…
















































Tja Martha, ehrlich gesagt hätte es mich sehr erstaunt, wenn du ausgerechnet von Herr Mörgeli eine umfassende Antwort erhalten hättest auf dein Schreiben! Falls die Antwort doch noch eintrifft … lass es mich BITTE wissen … dann kann ich auch wieder Sonntalk schauen wenn Herr Mörgeli in der Runde ist
1Aletheia – wie schön, dass es Dich noch gibt. Ich hab schon befürchtet, dass hier alle in der Versenkung verschwunden wären.
Von Herrn Mörgeli habe ich nichts gehört – hätte mich auch gewundert. Männer vom Schlage eines Christoph Mörgeli sind – gelinde ausgedrückt – äusserst peinlich für unser Volk und unser Land. Wenn es stimmen sollte, dass jedes Volk die Politiker hat, die es verdient, na dann: GUTE NACHT SCHWEIZ!
2Nun, der einzige Trost ist, dass es auf der anderen Seite “nur um Mörgeli” geht – und nicht um die Schweizer Männer per se. Gott sei Dank. Nicht nur am Mörgli fühle ich mich schweizer-deutsch-mässig wohl in der CH.
3Ihre Anfrage ist übrigens sehr berechtigt, und sie wäre mir wohl, als Mann, so nicht in den Sinn gekommen…
Asche auf mein Haupt.
weshalb sollte ein nationalist die quotenregelung als das entlarven was sie ist eine neidische quengelei….
da hättet ihr quotler aber einen üblen genossen.
4“…neidische quengelei…”? – Da muss ich aber energisch widersprechen! Vorab: Meine Aussagen beziehen sich nicht auf die paar “Ausnahmemänner”, die es wohl hin und wieder gibt, sondern auf das männliche Geschlecht als Kollektiv. Dieses wird niemals bereit sein, auch nur ein Fünkchen seiner Macht freiwillig an die Frauen abzutreten. Ohne eine vorübergehende Quotenregelung werden wir Frauen uns da noch jahrhundertelang vergeblich abstrampeln und wund scheuern.
5Dazu ein Kommentar von Dr. Christa Mulack:
“Patriarchale Macht, selbst wenn sie von Frauen ausgeübt wird, ist immer nur von Männern geliehene männliche Macht, die folglich auch nur in ihrem Sinne ausgeübt werden kann. Wirkliche Verantwortung aber können Frauen nur dort übernehmen, wo sie auf der Grundlage ihres eigenen Fühlens, Denkens und Urteilens, kraft ihres eigenen Machtpotentials handeln.”
Wer das als Frau nicht wahrhaben will, ist an Naivität kaum mehr zu überbieten. Glückliche Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit…!