Kennt ihr das von euch auch, dass ihr in einem Verhaltensmuster gefangen seit?
Ich hate eine 10jährige Beziehung zu einem 22 Jahre älteren Mann, in der ich immer wieder unterdrückt wurde. Ich wusste genau, wie er dachte, was er sagen oder tun würde, hatte in regelrecht in meinem Kopf. Ich musste schon gar nicht mehr mit ihm reden, da ich ja sowieso alles wusste. Das war jedoch ein grosses Problem für mich, denn ich wusste auch, dass er mich beschimpfen würde, wenn ich etwas anderst machen würde als er. So hatte ich nicht nur den Zusammenschiss, sondern die ganze Zeit auch die Angst davor. Ich mach euch mal ein Beispiel, damit ihr mich versteht:
Ich hatte Waschtag und stand daher früh morgens auf. Weil ich gegen elf zwei Weisheitszähne ziehen musste, brachte ich meine Kinder, damals 0,5 und 2 jährig, zu meiner befreundeten Nachbarin. Nach dem Zahnarzt eilte ich wieder in die Waschküche, holte die Kinder zurück und war den Nachmittag über mit stillen, waschen, auf- und abhängen der wäsche und zusammen legen beschäftigt. Daneben hatte ich grosse Schmerzen, da zwei Weisheitszähne gezogen waren. Um halb fünf eilte ich noch in den Coop um etwas für das Abendessen zu kaufen und Schmerztablettenn und eilte zurück in die Waschküche. Die ganze Zeit über, den ganzen Tag lang, dachte ich immer wieder, dass ich noch Staub saugen musste, aber als ich nach dem Einkauf in der Waschküche war, kam der Kindsvater bereits schon von der Arbeit zurück. “Was? Bist du noch nicht fertig mit waschen? Du hast die Wäsche wieder falsch vor den Lüfter gehängt. Ich habe dir schon hundert mal gesagt, dass du zuerst das, dann das, dann das waschen sollst und vor allem die trockenen Sachen weg nehmen und die nassen wieder vor den Lüfter. Ausserdem…” Ich hörte nicht mehr zu, ich dachte nur noch ans Staub saugen und spürte Panik in mir hoch steigen. Ich nahm die Kinder, er die Wäsche, und wir gingen hoch in die Wohnung. Die Tür war kaum verschlossen, ging es auch schon los: “Warum hast du denn nicht Staub gesaugt? Was hast du denn den ganzen Tag über gemacht? Wieder mal nur dumm vor der Glotze gehangen und nichts gearbeitet, was? Sogar zum Staub saugen bist du zu faul, dabei habe ich es dir am Morgen extra noch gesagt…”
Ich habe seit kurzem eine neue Freundin. Wir kennen uns aus dem Internet, wir schreiben und telefonieren recht viel und sie ist mir eine grosse, sehr grosse Hilfe bei meinem Projekt Nicht Mit Mir!!! Heute hatte sie mir im Laufe des Tages mehrere Mails mit Fragen gesendet, die hätte beantworten sollen, damit sie in der Arbeit für mich hätte weiter machen können. Da ich in den letzten Tagen jedoch wenig Zeit für meine Kinder gehabt habe, wollte ich mich heute dafür umso mehr um sie kümmern, und habe die Mails nicht beantwortet gehabt. Ich habe es am Mittag gesehen und wollte mir ein Zeitfenster dafür reservieren, habe es dann aber wieder vergessen. Den ganzen Nachmittag über habe ich immer wieder mal daran gedacht und hatte ein schlechtes Gefühl dabei. Am Abend schrieb ich ihr eine Entschuldigung und sie antwortete nicht gleich darauf, was mein mulmiges Gefühl stärker werden liess. Ihrgendwann kam dann der Punkt, wo ich mich selber beobachtete und ich mich fragte: Carmen, was machst du da eigentlich? Ist dir bewusst, dass du dich wieder zu Boden wirfst? Untertänig nach Vergebung bittest? Steh auf Mädchen! Gehts eigentlich noch?!
Ich war nun mit dem Hund draussen und fror mir bei -2 Grad fast die Nase ab. Dabei habe ich den Entschluss gefasst, dass hier zu schreiben.
Ich mag meine neue Freundin sehr und ich bin ihr sehr dankbar für alles, was sie für mich macht, aber ich nehme meine Entschuldigung zurück, da es nichts gibt, wofür ich mich hätte entschuldigen müssen. Höchstens mir selber gegenüber, weil ich schon wieder in dieses alte, blöde Muster gefallen bin. Mensch Carmen!!!






Ich habe an anderer Stelle schon mal ausgeführt, wie Frauen darauf trainiert werden, sich immer und für alles schuldig zu fühlen. Das gleiche gilt hier. Wieder suchst Du den Fehler zuerst bei Dir. Du willst Dein Verhaltensmuster ändern. Ist ja auch okay. ABER: Was ist denn mit dem Verhaltensmuster eines solchen Mannes? Sollte nicht in erster Linie DAS geändert werden?
Was Du hier beschreibst, ist der Grund, weshalb ich nie geheiratet habe. Beim leisesten Anflug eines solchen Verhaltens habe ich mich immer verabschiedet. Erinnert Ihr Euch? – Die Frau ist die persönliche Sklavin des Mannes. Auch wenn Männer das nicht zugeben, die Fakten sprechen für sich. Und das habe ich nie akzeptiert. Männer haben mir immer geschworen, dass sie mich “auf Händen tragen” wollten. Darauf habe ich immer geantwortet: “Ich will nicht auf Händen getragen werden. Ich will die Freiheit haben, selber laufen zu können.” Ein solches Versprechen hat mir kein Mann jemals gegeben.