Dieser ungeheuerliche Satz steht am 3. Nov im Tagi unter “Zürich – Region – Parlament will Krippenplätze für alle”.
Ich bin völlig ausser mir. Ist die Schweiz noch immer in der Steinzeit verhaftet? Lassen sich die Schweizer Frauen so etwas gefallen? - Am liebsten würde ich eine Revolution anzetteln! Eine solche Aeusserung sollte vor den Europäischen Gerichtshof gezerrt werden. Ich erinnere an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte vom 10.12.1948. Dort heisst es u.a.: ” Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.” – “Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden.”
Dass ich am 3. November 2009 einen solchen Satz lesen muss, verursacht bei mir einen momentanen Atemstillstand.






http://www.facebook.com/frauenblog
JEDER der arbeitet, nimmt einem Arbeitslosen den Arbeitsplatz weg. Diese Aussage ist doch schlicht und einfach nur blöd! Ich behaupte mal, dass es eigentlich genug Arbeitsplätze gibt, aber nicht jeder kann alles machen. Ein Maurer kann nicht als Schneider arbeiten und wenn eine Mutter in der Migros an der Kasse sitzt, dann nimmt sie einem LKW- Fahrer auch keine Arbeit weg. Abgesehen davon kurbelt jeder Arbeiter und jeder Konsument die Wirtschaft an, zahlen wir doch alle Steuern. Würde eine Mutter nicht asrbeiten, würde sie weniger Steuern zahlen und müsste stattdessen vielleicht Sozialhilfe beziehen. Wäre das für den Staat besser?
Völlig richtig! Ich bin ganz Deiner Meinung.
Die Aussage ist wirklich sehr schockierend und dumm. Was haltet ihr davon, dass wir Herr Hauser wissen lassen, dass wir so eine Aussage nicht akzeptieren?
Artikel ist zu finden auf
http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/Parlament-will-Krippenplaetze-fuer-alle/story/13202758
Herr Hauser’s Email Adresse ist:
info@matthias-hauser.ch
ich halte viel davon !!
Wir können auch einen Beitrag unter der Kategorie @irgendwen schreiben!
http://www.frauenblog.ch/themen/
Wer weiss. Vielleicht bekommen wir eine Antwort? ;-)
Ich habe Herr Hauser eine E-Mail geschrieben und sehr schnell eine Antwort erhalten, die moechte ich euch nicht vorenthalten:
Sehr geehrte Frau Bieri
Im Tages-Anzeiger wurde mein Votum unvollständig und zum Teil aus dem Zusammenhang geraus gerissen dargestellt.
Im Abschnitt um den entsprechenden Satz ging es einzig und allein um die Widerlegung der Behauptung, dass sich die Subvention von Krippenplätzen FINANZIELL für eine Gemeinde lohne, weil Erziehungsberechtigte, die ihre Kinder abgeben und stattdessen arbeiten, zu mehr Steuereinnahmen führten. Das Steuervolumen einer Gemeinde hängt mit der Anzahl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einer Gemeinde zusammen, dabei spielt es keine Rolle, WER arbeitet. Die Steuereinnahmen steigen nur dann, wenn auch entsprechend mehr STELLEN geschaffen werden. Dies ist aber zur Zeit nicht der Fall, wir haben keine Vollbeschäftigung, mehr Menschen, die eine Stelle suchen, als freie Stellen. Über ein grösseres Gebiet hinweg betrachtet, entstehen daher keine zusätzlichen Steuereinnahmen für eine Gemeinde, weil sie Krippenplätze schafft.
Ich setze mich im Kantonsrat nicht gegen Krippenplätze ein, ich habe rein gar nichts gegen Mütter, die arbeiten (im Gegenteil, meine eigene Familie ist auch so organisiert), ich vertrete aber die Meinung, dass die Kinderbetreuung privat finanziert und organisiert werden müsse, und, wenn dies nicht möglich ist, via Unterstützung der Erziehungsberechtigten und nicht durch Subventionen.
Mit freundlichen Grüssen
Matthias Hauser
Was meint ihr? Sind wir damit zufrieden? hmm… ;-)
@Cordula
WOW! Wie hast Du denn diese Mailadresse rausgekriegt? Respekt!
Immerhin spricht für Herrn Hauser, dass er sofort geantwortet und sich nicht gedrückt hat. Ich habe nämlich auch diverse Mails in dieser Angelegenheit in der Welt herumgeschickt (z.B. BR Ueli Maurer), aber ausser von der SVP-Parteizentrale, die auf mein Mail nur lapidar geantwortet hat, sie hätte damit nichts zu tun, hat sonst niemand reagiert.
Obwohl ich inhaltlich nicht mit Herrn Hauser übereinstimme, muss man/frau seine Meinung wohl respektieren im Sinne von Rosa Luxemburg, die gesagt hat: “Ich teile Ihre Meinung nicht. Aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie Ihre Meinung äussern dürfen.”
Was hier aber nicht in Betracht gezogen wurde, ist das Kind. Ich bin dreifache Mutter und habe die Ausbildung zur Spielgruppenleiterin gemacht. Meine grossen zwei gingen auch eine Zeit lang in die Krippe, allerdings bin ich im letzten Jahr wegen Morddrohungen 6 Mal umgezogen und die Kinder daher seit einem Jahr nicht mehr in der Krippe gewesen. Was ich eigentlich sagen wollte: Die Kinder bekommen eine enorm grosse Förderung in ihrer Sozialkompetenz, da sie in einer grösseren Gruppe viel lernen können und müssen. Sie haben eine feste Struktur, bekommen Einblick in andere Kulturen und Gewohnheiten und können neue Beziehungsnetze schaffen. Sie bekommen neue Bezugspersonen und lernen durch die Mitarbeiter der Krippen und die anderen Kinder, sich auf “fremde” Menschen einzulassen. Ich habe vor kurzem einen Bericht im deutschen TV gesehen, dass die Krippenplätze den Staat zwar kosten, die Kinder aber durch die Krippe besser auf die Schule vorbereitet sind, konzentrierter in der Schule lernen können und danach auch eine Arbeitsstelle finden und Steuern zahlen können. Es war auch erstaunlich, dass Eltern ihre Kinder in die Krippe geschickt haben, die es eigentlich “nicht nötig” gehabt hätten, weil der Vater genug verdiente und die Mutter daheim sein konnte. Aber die Kinder, die in finanziell schlechten Verhältnisse aufgewachsen sind und die Eltern es sich nicht leisten konnten, die Kinder in die Krippe zu schicken, die sind auf der schiefen Bahn gelandet und bezogen danach Sozialgelder.
Kurz: Krippenplatz finanziert = Steuereinnahmen
Krippenplatz nicht finanziert = Sozialgelder Bezug
Man sollte die Sachlage 1. langfristig betrachten und 2. den Menschen, bzw. das Kind nicht aus den Augen verlieren. Ausserdem braucht man als Mutter auch mal ne Zeitinsel, in der Mutter einfach mal Frau sein kann, damit sie kein Burn Out erleidet oder in Depression fällt. Aber in der Schweiz wird jeder gemolken, bis er nicht mehr kann und dann weg geworfen, anstelle dass man die Menschen mit Achtung und Respekt behandeln würde. Eine Maschine wartet man doch auch regelmässig, gibt Öl und Wasser und Reinigung oder was es auch braucht, warum dann dem Mensch nicht?
@cordula
naja. Politische Antwort halt ;-) Auf den Satz wirklich eingegangen ist Herr Hauser ja nicht. Aber das er geantwortet hat und das erst noch innert nützlicher Frist muss man ihm wirklich positiv anrechnen.
Wenn der Sachverhalt so ist wie Herr Hauser sagt, müssten wir uns wohl an den Tagi wenden! Es kann ja nicht sein, dass Medien sowas drucken im Jahr 2009!
@Martha
Hast Du auch Politikerinnen angeschrieben? Wenn ja, haben die Frauen geantwortet?
@alle
Das ist eine Tatsache die mich immer wieder (negativ) erstaunt. Da wird derart frauenfeindlich publiziert in einem Medium wie der Tagesanzeiger und es scheint den Anschein zu machen, dass sich keine Politikerinnen dagegen auflehnen! Falls jemand irgendwo etwas darüber gelesen hat, lasse ich mich gerne korrigieren! Dann postet bitte den Link hier.
Ich weiss echt nicht mehr, wen ich in meiner Wut alles angeschrieben habe. Ich habe auch an Frau Calmy-Rey gedacht, die ich SEHR schätze, habe es dann aber bleiben lassen weil ich mir gesagt habe, dass sie als Vorsteherin des EDA damit wohl nichts zu tun und zudem genügend eigene Sorgen hat. Bei Frau Widmer-Schlumpf gibt es auf der Seite bundeshaus.ch keine Mailadresse, und mein Mail an Didier Burkhalter wurde als unzustellbar retourniert.
Dass sich Politikerinnen herzlich wenig für die Belange der Frauen einsetzen bestätigt eindeutig meine Aussagen, die ich in der Rubrik “Männerhäuser” und meinen Antworten an Bruno gemacht habe. In unserer Gesellschaft haben Frauen nur Karrierechancen, wenn sie sich dem patriarchalen System unterwerfen und das Spiel der Männer mitspielen.