„Frauen gesucht, die mit einer Tastatur umgehen können, gerne und flink schreiben können und keine Probleme mit Erotik und Flirt haben. Geboten wird eine reguläre Festanstellung in Vollzeit”.
Ich bin interessiert. Schon zwei Tage später habe ich mein Vorstellungsgespräch vor Ort. In einem heruntergekommenen Stadtteil finde ich unter der mir genannten Adresse ein baufällig wirkendes Mietshaus. Mich empfängt eine gestresste ältere Dame im Jogginganzug. Die Vorturnerin sozusagen.
Im Arbeitsraum sitzen Frauen an Bildschirmarbeitsplätzen. Die Tastaturen glühen. Die Luft ist rauchgeschwängert, Pizzaschachteln und
Colaflaschen liegen überall verstreut. Die Frauen haben richtig Stress. Am hellichten Tag. Dennoch nimmt sich eine die Zeit, um mir den
Arbeitsablauf zu erklären.
Eine SMS kommt rein, dazu Informationen über den Simser. Wer gerade “frei” ist, bekommt die SMS auf den Monitor und verschafft sich in
Windeseile einen Überblick über den Simser. Es werden entsprechende Kundenkarteien regelmäßig gepflegt. Schnell ist geklärt, welche Identität jetzt gewahrt werden muss und wie weit man schon gekommen war. Der Simser soll ja glauben, dass er immer mit der gleichen Frau flirtet. Jetzt tippt sie die Rück-SMS, wobei sie das Maximum an erlaubten Zeichen ausschöpfen muss. Die SMS muss den Kunden zum einen bei der Stange halten, zum anderen seinem verzweifelten Bemühen, endlich zum Zuge zu kommen, glaubwürdig ausweichen.
Ein Eiertanz mit fadem Beigeschmack. Und sehr schlecht bezahlt. Die Frauen tragen in ihrem Vollzeit-Job, der ein Höchstmaß an Konzentration, Einsatz und Koordination erfordert, einen lausigen Hungerlohn weg. Daher auch die hohe Fluktuation und die ständige Suche nach neuen SMS-Date-Betrügerinnen.
Danke.
Ohne mich.
Autorin: OMSR





