Zum Ostersonntag

Wir können uns befreien von mancher Abhängigkeit und Sucht. Aber zugleich mache ich, je älter ich werde, die Erfahrung, dass ich nicht alles kann, was ich will, das ich trotz mancher Einsicht, und trotz aller psychologischen und spirituellen Methoden immer wieder in Fehler falle, die mich ärgern, weil sie mein eigenes Selbstbild stören. Aber wenn ich mich dann vor Gott setze und mich so hinhalte, wie ich bin, ohne auf mich zu schimpfen, dann mache ich die Erfahrung einer neuen Freiheit: ich muss mich ja gar nicht in den Griff bekommen. Ich kämpfe und versuche, manches an mir zu verbessern. Aber ich stosse immer wieder auf meine Struktur und gerate immer wieder in Fallen. Wenn ich dann Gott meine leeren Hände hinhalte, dann fühle ich mich ganz frei, frei von allem Ergeiz, mich selbst besser machen zu wollen, frei von allen Selbstvorwürfen, frei von allem Druck, den ich mir selbst mache.

Quelle: Anselm Grün, aus dem Buch: Vergiss das Beste nicht / Inspirationen für jeden Tag

Ich wünsche allen befreiende Ostertage
Aletheia

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