Ich bin etwas verwirrt. Jahrzehntelang musste ich mir anhören, dass ein weiblicher Hintern nicht ausladend sein darf. Klein soll er sein, diskret, unauffällig. Gerade rund genug, um sich bei genauem Hinschauen von einem Männerhintern zu unterscheiden. Sollte er allen Verboten, Ermahnungen und Bemühungen zu trotz gross und rund sein (genetisch bedingt, im Fall!), hat man ihn gefälligst zu verstecken. Dies gelingt gut, indem man sich weite, sackartige Oberteile überzieht, die UNBEDINGT bis unter die Wölbung reichen müssen. Womit man dann wie ein Sack aussieht und alle GUTEN, sprich schlanken Körperpartien, damit ebenso bedeckt. Hauptsache, ER, der Riesenarsch, ist nicht sichtbar. Mit dieser dringenden Empfehlung bin ich gross geworden, und mit mir Millionen von hinten genetisch ausladend ausgestatteten Frauen.
Nun hat es das Schicksal gewollt, dass ich in engem, um nicht zu sagen intimen Austausch stehe mit der afrikanischen Kultur. Und in Afrika werden Frauenärsche vergöttert, vergoldet, verehrt und gefeiert. Täglich und überall. Je praller, umso besser. Ein guter Arsch soll die Hose ausfüllen, dass sie schier platzt. Ein guter Arsch muss wackeln und schwabbeln und wippen. Ein guter Arsch muss polstern und abfedern in jeder Position Lebenssituation. So kam es, dass die afrikanischen Frauen ihren Hintern mit dem allergrössten Stolz spazieren tragen. Je dicker der Arsch, umso stolzer die Besitzerin.
Was sich hierzulande „Reiterschenkel“ nennt und dringend operiert gehört, bedeutet drüben soviel wie „Essenz der weiblichen Schönheit“. Als ich meine afrikanische Schwägerin zum ersten Mal traf, fühlte ich mich etwas unsicher, da ich mich gerade wie Ursula Andress dem Meer enträkelte, im Bikini, natürlich, mit ausladender Hüfte, natürlich. Und voller Komplexe, natürlich. Sie schaute mich an, von oben nach unten (oder von unten nach oben, ich erinnere mich nicht genau), ihr Blick blieb an meinen Reiterschenkeln hängen, und dann entfuhr es ihr: „quelle beauté!“ Ich war fassungslos.
Bis heute, mit fünf Jahren versuchter Gehirnwäsche seitens meines Mannes intus, weiss ich nicht so recht, was an meinem Balkonarsch und meinen runden Schenkeln schön sein soll. Kürzlich, im Kleidergeschäft, stieg ich wagemutig und entschlossen wieder mal in eine Jeans, eine enge Jeans. Und he! ich traute mich sogar aus der Garderobe. War es Projektion oder schwitzte die Verkäuferin (Grösse XXS) Blut, als sie mich sah? Um Himmels Willen, da sitzt ein Arsch in der Hose! Jessas Gott! Schnell! Bedecken! Da muss ein Sack drüber! Ich stülpte mir brav die verschiedenen Modelle „Sack 1-17“ eines nach dem anderen über, und in allen sah ich Scheisse aus. Die Verkäuferin schwitzte noch mehr. Und ich? Lüpfte die Säcke und verdrehte mir eine halbe Stunde lang den Kopf, um meinem Hintern die Schönheit zu entlocken. Ein bisschen fand ich sie, ungefähr bei jedem 22. Blick. Das macht immerhin fast 5%. Genug, um die Hose a) zu kaufen und sie b) stolz und selbstsicher zu tragen? Nein. Ich tat’s trotzdem. Und übe mich seither im Stolzieren. Naja, nur an ganz guten Tagen.
Nachtrag: Übrigens, manchmal ist ein Balkonarsch wirklich praktisch: Für im Tragtuch auf den Rücken gebundene Babys bildet er eine sichere Rutschbarriere, einen Balkon halt. An der arschlosen Mutter hingegegen rutscht das arme Ding runter wie an einem Telefonmast. Oder beim Tanzen: da wackelt er so herrlich und gibt Schwung in die Drehungen. (Hier empfehlen sich weniger die klassischen mitteleuropäischen als viel mehr die Latin- und Afrotänze. Da haben wir’s wieder: das Arsch-Gen. Tänze, wie geschaffen für runde Hintern!)






Eike: Ahoi, ich bin mal so frei und poste mal was auf der Seite. Sieht schic...
Malte: Gefaellt mir gut der Blog. Schone Themenwahl....
Martha: @Jaymaker: And it's so funny, funny what you say honey, honey......
benny: auch von männern, die wissbegierig sind ;-)...
benny: ach ja, würde mich über kommentare zu meinem beitrag freuen ;-)...