Gleichstellungspolitik

Die Lebensbedingungen von Männern verschlechtern sich signifikant. Ungeachtet dessen werde Gleichstellungspolitik aber nach wie vor als reine Frauenpolitik definiert. Männer gelten immer noch als das privilegierte, «starke Geschlecht» – auch in der Selbstwahrnehmung. Eine Gleichstellungspolitik, die diesen Namen auch verdient, müsse künftig beide Geschlechter mit einbeziehen.

In Erziehung, Bildung und Gesundheit beispielsweise werden Knaben und Männer eindeutig benachteiligt; inzwischen verlieren auch mehr Männer ihren Arbeitsplatz als Frauen. Wurde einst die höhere Arbeitslosigkeit von Frauen als gesamtgesellschaftliches Skandalon bezeichnet, wird nun die höhere Arbeitslosigkeit von Männern als Selbstverständlichkeit hingenommen; sie ist jedenfalls für die Geschlechterpolitik in der Schweiz kein Thema.

Männer sind zunächst einmal Männer und dann – möglicherweise – irgendwann auch Väter. Sie wollen nicht nur ihre Bedürfnisse als Väter wahrgenommen sehen, sondern auch ihre Bedürfnisse als Männer – und das auch nicht einzig in einer Perspektive der Entlastung von Frauen. Selbiges fällt aber gänzlich aus der Arbeit der Gleichstellungsbüros. Das ist letztlich eine sexistische Sichtweise. Die ungestellte Männerfrage erweist sich mehr und mehr als Bremsklotz der gesellschaftlichen und geschlechterpolitischen Entwicklung. Wenn sich auf Männerseite zu wenig bewegt, können sich auch die Frauen nicht wirklich emanzipieren.

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